Guido´s TC2

Die Geschichte meines BMW BAUR Topcabriolets

Als im Jahr 1982 die zweite Generation der BMW 3-er Reihe an den Start ging, da mussten sich die Frischluftfans noch bis zum Sommer 1983 gedulden; denn erst dann stand der BMW E 30 auch als BAUR-Cabrio zur Verfügung. In der Zeit von 1983 bis 1991 wurden 14455 BAUR-Topcabriolets gefertigt und ausgeliefert. Davon wurden 3561 Fahrzeuge nach Südafrika, 24 Cabriolets nach Griechenland und 5 Exemplare nach Jordanien verkauft. Heute, fast zwanzig Jahre nach dem Produktionsstart und zwölf Jahre nachdem das letzte E 30 BAUR-Cabrio die Werkshallen an der Poststraße in Stuttgart verlassen hat, bietet der Gebrauchtwagenmarkt noch relativ viele Fahrzeuge. Man findet sowohl Chrommodelle der ersten Serie wie auch noch gepflegte Fahrzeuge aus der zweiten Serie. Letztere sind mit etwas Geduld auch noch als Ersthand-Fahrzeuge zu bekommen.

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Dieses 316i BAUR-Cabrio lief am 01.02.1991 bei BMW vom Band. Es hat die BAUR-Nr. B 50692-13 und dürfte wohl eines der letzten Fahrzeuge sein, welches die Firma Karosserie BAUR ausgeliefert hat. Eine Süddeutsche BMW Niederlassung hatte den Wagen bestellt und er wurde am 28.03.1991 erstmalig zum Straßenverkehr zugelassen. Zunächst kam der Wagen als Vorführwagen zum Einsatz bis dann am 13.05.1991 Frau E. das Topcabriolet durch einen Leasingvertrag übernahm. Frau E. muss eine begeisterte BAUR-Fahrerin gewesen sein; denn dies war nicht ihr Erstes BAUR-Cabrio, welches sie fuhr. Als der Leasingvertrag auslief, gab Frau E. den Wagen mit 32497 km in der Niederlassung zurück.

Herr G., ein Mitarbeiter der Niederlassung, entdeckte den Wagen auf dem Hof. Sein Kollege hatte das Fahrzeug als Leasingrückläufer gerade rein geholt. Da auch Herr G. begeisterter BAUR-Fahrer war zögerte er nicht lange und erwarb den Wagen. Der Wagen befand sich in sehr gepflegten Zustand. Lediglich ein Kratzer an der Tür trübte den Gesamteindruck. Dieser wurde aber sofort von einem Lackierbetrieb beseitigt.

Als  Autoliebhaber pflegte Herr G. seine Fahrzeuge sehr. Neben seinem seltenen BAUR-Cabrio hatte er noch eine  Neue Klasse von 1969 mit ca. 90000 km, einen BMW-Compact, einen Landrover Freelander und verschiedene Motorräder. Als schließlich der Fahrzeugbestand zu groß wurde entschloss er sich ein Fahrzeug zu verkaufen. Dabei fiel die Wahl auf das BAUR-Cabrio. Seine Frau war von dieser Entscheidung nicht gerade begeistert. Der Tacho des Wagens zeigte inzwischen 86800 km an und das Cabrio wurde im Winter 2001/2002 stillgelegt. Für Herrn G. begann nun die Suche nach einem geeigneten Käufer. Viele Interessenten waren nicht bereit seine Preisvorstellung zu akzeptieren und „verscherbeln“ wollte er den Wagen wirklich nicht.

Da ich schon länger auf der Suche nach einem Topcabriolet war, las ich immer wieder die OM. Es sollte im Idealfall ein Chrommodell E21 oder E30 im gepflegten Zustand sein. Weil ich keine Zeit für Reparaturen und auch sonst nicht die nötigen Möglichkeiten für Restaurationen habe musste der Wagen auch noch technisch in einwandfreiem Zustand sein und natürlich auch meinen Preisvorstellung gerecht werden. Die Suche war nicht leicht und mir war auch klar das es ohne Kompromisse nicht gehen würde.

Als ich im April 2002 die OM las entdeckte ich eine Anzeige „316i BAUR-Cabrio zu verkaufen, 86800 km sehr gepflegt mit verschied. Extras“. Sie war von Herrn G. und kurze Zeit später rief ich ihn an und er beschrieb mir eine halbe Stunde lang den Wagen in allen Details. Der Preis, den Herr G. aufrief war zwar am oberen Limit, doch seinen Beschreibungen nach musste das Fahrzeug wirklich sehr gut sein. Schließlich sandte er mir noch ein paar Fotos von seinem Wagen zu. Die Bilder bestätigten meinen ersten Eindruck und um letzte Zweifel aus dem Weg zu räumen beschloss ich mit meinem Bruder das Cabrio zu besichtigen.

Tatsächlich befand sich das BAUR-Cabriolet im beschriebenen Topzustand. Nach einer genauen Besichtigung und einer kurzen Verhandlung über ein paar Details war der Kauf beschlossen. So gab es noch das sehr seltene Hardtop, ein komplett neues Verdeck (einschl. Targadach und Scheibenrahmen), eine neue Batterie, eine AHK und Winterräder dazu. Neuer TÜV und AU waren natürlich auch inklusive. Eine Woche später holte ich den Wagen dann mit Kurzzeitkennzeichen ab und ließ in einer BMW-Werkstatt dann den KLR nachrüsten.

Im folgenden Sommer gab es dann (vorausgesetzt das Wetter war garantiert trocken!) so manche Tour durch das Bergische Land. Das Fahrzeug war auch beim ersten BAUR-Treffen präsent.

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Weil der Wagen im Winter eingemottet war, wurde ein komplettes „Wellnessprogramm“ angesagt: Unterbodenwäsche, Erneuerung der Hohlraumkonservierung und des Unterbodenschutzes mussten sein. Hierbei kam ein Spezialwachs mit einer hohen Kriechfähigkeit zum Einsatz, welches in Zukunft sämtliche Falze und Ritzen versiegelt. Auch wurden bei dieser Aktion die typischen Schwachstellen an der Karosserie gereinigt und geprüft. Der schwarze Mattlack an der Dachkonstruktion, der gerne abblättert, wurde ausgebessert. Schließlich wurden noch die Doppeltonfanfare aus dem 6-Zylinder-Modell, Efh und eine BMW-Diebstahlwarnanlage nachgerüstet. Weiteres Zubehör soll nicht mehr folgen, weil das Fahrzeug in seiner Schlichtheit, so wie es das Werk verlassen hat, erhalten bleiben soll – lediglich noch eine Scheinwerfer Wiwa könnte noch interessant sein.

Der Wagen befindet sich heute in einem sehr guten Originalzustand mit nur wenigen Gebrauchsspuren. Bis auf das nachgerüstete Zubehör ist noch alles original. Das Fahrzeug wird inzwischen nur noch bei gutem Wetter bewegt und weiterhin Scheckheft gepflegt.

Für Freunde und Liebhaber, die ein paar Tipps zur Pflege ihres BAUR-Cabrio möchten stehe ich gerne zur Verfügung (gh@heider-verlag.de). Vielleicht kann mir dafür auch einer sagen, welche die höchste BAUR-Nr. beim E30 war und wie die BAUR-Nr. zu entschlüsseln ist*. Viel Freude beim Fahren und eine sonnige BAUR-Saison 2003 wünscht Euch

Guido

* Nach unseren Unterlagen wurde 1991 der letzte BMW BAUR TC2 (e30) mit der BAUR-Nummer 50865 in Stuttgart ausgeliefert. Danach sind im Anschluss an Guidos BMW TC2 weitere 172 Topcabriolets des Modells TC2 gebaut worden. Die in Stuttgart bei BAUR gebauten BMW BAUR TC2 Topcabriolet begannen mit der BAUR-Nummer 40001 im Jahr 1983 und endeten mit der Nummer 50865. Die Anfangsziffern 40 bis 50 weisen also auf den Herstellungsort Stuttgart hin. Die Anfangsziffern 30 bis 33 weisen auf den Herstellungsort BMW Südafrika hin, die Nummern 31294 bis 31317 waren für BMW Griechenland reserviert und unter den Nummern 1426 bis 1430 wurden sogar 5 BMW BAUR bei BMW Jordanien gebaut.

Peter Lammers

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316i M40-Motor mit KLR

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Wie Neu! Die Innenausstattung in Stoffanthrazit

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316i BAUR-Cabrio in Granitsilber-Metallic mit Kreuzspeichen Alufelge

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in das konservierte Radhaus hinten rechts. Hinter den Verkleidungen sammelt sich gerne Dreck, der das Wasser bindet und schließlich zum Rostfraß führt.

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in das bereits versiegelte Radhaus vorne rechts. Die Kotflügelinnenver-kleidungen sollten für eine Unterbodenwäsche entfernt werden. Dahinter könnten sonst „blühende Landschaften“ entstehen.

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Behandelte Roststelle unter dem Scheinwerfer links

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Die Bodengruppe ist komplett mit Wachs neu versiegelt

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Startklar für die neue Saison als Targas

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Versiegelter Kardantunnel

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Abgeplatzter Mattlack an der Dachkonstruktion wird erneuert