Klaus Dieter´s TC2

Die Geschichte vom Ladenhüter…
… oder die vom ganz großen Glück

von Klaus-Dieter Lenz
Frankfurt am Main

Gestatten, mein Name ist: der BAUR.

So nennen sie mich in der Familie, zu der ich seit ca. zehn Monaten gehöre. Meine Wiege stand natürlich – wie bei allen E21-, E30- und E36-Typen – im Land der Bajuwaren und mein Geburtstag ist der 30. Januar 1990. In meinem Innern schlägt das Herz eines 318iS und äußerlich trage ich einen lapislazur-metallic-farbenen Anzug. Mein Hard- und Softtop ist selbstverständlich auch in blau gehalten und strahlt (na ja, mehr oder weniger) eine leichte Patina aus.

Aber fangen wir von vorne an: Bereits am dritten Tag meines Daseins ging ich auf Reisen und der Weg führte mich nicht schnurstracks zu den Gebrüdern BAUR nach Stuttgart, sondern zu einem großen BMW-Autohaus nach Köln. Außerdem besagte meine Identität, dass ich eine Limousine mit der Sonderausstattung „Stahlschiebedach“ war. Beim Autohaus in Köln stand ich nun neben anderen blau-weißen Erzeugnissen in Reih´ und Glied und wartete sehnsüchtig auf einen liebenswerten Menschen, dem ich meine Qualitäten zeigen konnte. Leider vergebens!

Das Jahr 1990 neigte sich dem Ende zu und im Schaufenster bzw. auf dem Hof des Autohauses warteten bereits meine jüngeren Brüder der Baureihe E36 auf Käufer. Die gingen weg wie warme Semmeln. Ich dagegen fühlte mich bereits als Ladenhüter. Doch dann geschah es. Um nicht auf mir sitzen zu bleiben, und um nicht eines Tages vom Neuzustand direkt in die Schrottpresse zu gelangen, hatte einer der Mitarbeiter im Autohaus den klugen Einfall, mich zu einem Top-Cabriolet umbauen zu lassen. Es war ja auch klar, wo das geschehen sollte. So führte mich der Weg nach Stuttgart und welche Freude, dort sah ich eine ganze Menge toller Brüder. Insgesamt sollen wir „e30er“ ja 14.455 Exemplare gewesen sein. Damit auch alles in der Administration seine Richtigkeit hatte, bekam ich ein BAUR-Typenschild mit der Nummer B 50479-1 verpasst (und somit einer der Letzten aus der „e30er“-Serie). Nachdem ich nun „oben herum“ veredelt war, ging es zurück nach Köln und siehe da, plötzlich entdeckten mich die Menschen. Am 30.April 1991 bekam ich endlich die offizielle Berechtigung, meine Qualitäten auf deutschen und europäischen Straßen unter Beweis zu stellen.

Mein neues Zuhause fand ich für einige Zeit im Kreis Neuwied. Später bekam ich neue Besitzer in Leverkusen. Meine letzte Besitzerin gab mich nach vierjähriger Nutzung im Januar 2003 für ein „Allerweltsauto“ bei einem Händler im Bergischen Land in Zahlung. Oh weh, hier stand ich nun neben einer Vielzahl von ausländischen Fabrikaten, genauer gesagt die meisten mit Herkunft aus Fernost. Zum Glück nur für eine kurze Zeit. Denn nun fand ich meinen absoluten Fan. Er hatte mich im Internet entdeckt, telefonierte mit dem Händler und schon am nächsten Wochenende stand er vor mir. Er – „so um die fuffzig“ und mit bereits ergrauten Schläfen – schaute zunächst recht skeptisch als er bemerkte, dass ich nicht ganz „normal“ aussehe. Leider wurde mein Originalzustand im Laufe der Zeit durch ein H&R-Fahrwerk mit dezenter Tieferlegung verändert.

Zudem bekam ich beim Händler noch einen Satz H&R-Alu-Felgen und neue Niederquerschnittreifen „verpasst“, was mir – im Ergebnis – zu einem sportlichen Aussehen und dem Händler zum Verkaufserfolg verhalf. Rund zehn Mal „umrundete“ mein neuer Besitzer meine Karosserie, strich behutsam über das Blech, prüfte die Verglasung und den Innenraum, trotzdem immer auf der Suche nach möglichen Kaufhindernissen. Schlussendlich – nach einer für mich wirklich ausgiebig wirkenden Besichtigung mit anschließender Probefahrt – akzeptierte er mich so wie ich bin. Fortan verließ ich die nordrhein-westfälischen Straßen und ab ging es in Richtung Hessen. In Hessens größter Stadt gehöre ich nun zu einem Pool von drei Geschwistern, die vom Eigner und dessen Ehefrau, gelegentlich auch vom Sohn des Hauses „gelenkt“ werden.

Mein großer Bruder, in der Ausführung ein Coupé, stammt zwar auch aus Stuttgart, allerdings aus Untertürkheim, und hat einen größeren Hubraum (dafür habe ich mehr Pferdestärken unter der Haube). Meine kleinen (motorschwächeren) Geschwister stammen aus einer Autoschmiede in Köln, ein Cabriolet aus den 90´ern – genannt auch „Erdbeerkörbchen“ (wegen des Überrollbügels) und aus Bochum (ist ja klar, wer da zuhause ist). Letztgenannter ist mit seinen über achtunddreißig Jahren ein echter „Hingucker“, was ich ja noch werden möchte. Wir beide, „der Alte“ und ich, sind die absoluten Sammlerstücke unseres Herrn und wir kommen wirklich nur bei bestem Wetter zum Einsatz.

Schließlich, so mein Besitzer, sollen wir ihm noch lange erhalten bleiben. Nun gut, dass er kein „Schraubertyp“ ist – dafür kann er halt nichts. Man sagt ihm nach, er hätte zwei linke Hände. Für „Rat und Tat“ gibt es ja zum Glück die Spezialisten hier und bei den BAUR-Freunden. Er jedenfalls dankt meinem bisher problemlosen Einsatz, zu dem in diesem Jahr u.a. eine herrliche Reise in die Nähe von Venedig gehörte, mit regelmäßiger Wartung und Pflege. Es versteht sich von selbst, dass ich in Bezug auf mein Temperament nicht mehr „überfordert“ werde. Dahingleiten oder auf neudeutsch ausgesprochen „cruisen“ ist angesagt!

Jetzt – in den Wintermonaten – stehe ich „eingemottet“ und wohl temperiert neben dem „Erdbeerkörbchen“ und dem echten Oldtimer in einer Garage. Ich freue mich schon jetzt auf die neue Saison, die bei Kilometerstand 11.3000 beginnt und mich hoffentlich bald einmal zu einem BAUR-Treffen mit den Freunden des BMW BAUR-TC-Club führen wird. Bei dieser Gelegenheit werde ich Euch mal meinen Herrn vorstellen.

Rückblickend auf meine Geschichte glaube ich nun aus einer „verkorksten Limousine“ mit Ladenhütereigenschaft, schließlich umgebaut zu einem der schönsten TOP-Cabriolets seiner Zeit, mit meinem Fan im Hessenland das große Glück gefunden zu haben. Hoffentlich bleiben wir noch recht lange zusammen.

Danken möchte ich zum Schluss noch Herrn Kai Jacobsen von BMW – Mobile Tradition – Historisches Archiv, der an der Aufarbeitung meiner Geschichte beteiligt war.

…und Tschüß: Der BAUR

P.S. Ach so, wollt Ihr mal mit meinem Herrn per E-Mail in Kontakt treten, dann gebt kdl@mm-bc.com im Internet auf der Tastatur ein.