Claus´s TC1

„Scheunenfund“, oder wie ich zu einem fabrikneuen 320 Topcabriolet kam

Es stand das Jahr 1983 auf dem Kalender, als mich mein lieber Freund „Pippes“, ein begeisterter BMW-Motorradfan und -Fahrer eines Tages anrief und berichtete, dass er im Ort Rösrath bei Köln bei einem BMW-Händler sei, um sich dort nach Motorrädern umzuschauen.

Ganz aufgeregt fügte er hinzu, dass er in der Scheune zwischen Heu und Hühnern zwei flammneue BMW Baur Topcabrios habe stehen sehen, die so aussähen, als ob sie dort schon länger stünden. Es handelte sich um meinen späteren 320 und einen 320 i. Lange Standzeiten eines Neufahrzeugs bedeuten für den Verkäufer zementiertes Kapital und für den Interessenten in der Regel gute Aussichten auf einen attraktiven deal.

Also sind wir gemeinsam eines schönen Spätnachmittags nach Rösrath gefahren, um uns die Autos einmal anzuschauen, denn der 320 wäre mein erstes offenes Auto gewesen. Gefahren, nicht ohne mir vorher jene Summe Geldes einzustecken, die ich für ein Objekt meiner Begierde bereit war auszugeben. Und so rein zufällig hatten wir natürlich eine Rote Nummer anbei, denn man weiß ja nie…

Die Begrüßung war soweit in Ordnung und als wir auf die in der Scheune stehenden Topcabrios zu sprechen kamen wurde sie zusehends freundlicher. Ab in die Scheune zum Anschauen. Pippes hatte nicht gelogen, als er von Heu und Hühnern gesprochen hatte die, der späten Ruhestörung wegen, lauthals ins Freie stoben. Meine Wahl fiel auf den silbernen 320 mit schwarzem PVC-Dach. Die Differenz zum Einspritzer war mir zu hoch. Wieder im Büro angekommen, legte ich dem Verkäufer mein Bündel kleiner Scheine auf den Tresen und wir mussten, wie beabsichtigt, geraume Zeit warten, bis das Bündel durchgezählt war. Der Blick danach sprach Bände und der „Kauf“ schien schon geplatzt zu sein, denn da war ein deutlicher Fehlbetrag zum zuvor genannten Preis. Ich schlug dem guten Mann vor, dass Pippes und ich zum Abendessen gehen wollten, derweil er sich die Sache ja überlegen könne. In der offenen Tür fragte ich den Verkäufer dann noch reichlich arrogant, ob er denn Autosammler, oder Autoverkäufer sei, um meiner Kaufabsicht Nachdruck zu verleihen.

Da wir „unter Strom“ standen, dauerte das Abendessen nicht lange und beim erneuten Betreten des Büros sah die Mine des guten Mannes nicht besser aus. Ich nahm an, dass das nicht am längst verstrichenen Büroschluss liegen konnte. Betretenes Schweigen im Raum. Plötzlich und unvermittelt sauste dann ein in meine Richtung geschleuderter Bleistift an meinem Ohr vorbei, begleitet von einer Art Schrei aus einem hochroten Kopf: „Dann nimm die Scheißkarre mit“! Und siehe da, der 320 war während unserer Abwesenheit bereits aus der Scheune in den Hof bugsiert worden. Doch wo waren die zuvor gesichteten Nebellampen und das Radio geblieben? Antwort darauf gaben die abgeknipsten Zuleitungen, die nun völlig nutzlos herumhingen. Das war die Rache des geplagten Verkäufers schoss es mir durch den Kopf.

Mit Roter Nummer und mittels Starthilfe vom Verkäufer konnte ein überglücklicher Eigner mit seinem fabrikneuen BMW 320 Baur Topcabriolet nach Hause streben. Das ist jetzt 22 Jahre und knapp 150.000 km her, but still going strong…

Claus Goldberg
Köln